interview


10 Fragen an Lisa Brennauer

1. Was hat sich verändert, seitdem Sie im September 2014 Doppelweltmeisterin geworden sind?
Menschlich geändert hat sich für mich persönlich nichts. Die Trainingsstrecken sind dieselben, die Freunde sind die gleichen und ich denke, dass auch ich mich in meiner Art nicht verändert habe. Sicherlich bin ich dadurch etwas mehr in den Fokus der Medien und ein Stück mehr in die  Öffentlichkeit gerückt, aber manchmal ist es auch gut ein wenig Abstand von dem ganzen Rummel zu haben.

2. Viele stellen an eine Weltmeisterin, nachvollziehbarer Weise, den Anspruch, dass diese immer gewinnen muss. Wie ist Ihre Haltung, wenn Sie ein Rennen nicht gewinnen und Kritiker an die Tür klopfen?
Es ist niemandem möglich, das ganze Jahr in Topform zu sein, da gehören selbstverständlich manchmal eben auch Niederlagen dazu. Damit muss man umgehen können, ohne die Nerven zu verlieren. Man muss sich an seinen eigenen Zielen orientieren, nicht  daran, was von außen erwartet wird.  Am Ende geht es ja nicht immer darum, wer die meisten Rennen gewonnen hat, sondern eher welche Rennen man gewonnen hat.

3. Inwiefern unterstützen Ihre Eltern, Ihre Freunde und Ihr Freund Ihr sportliches Tun und Ihren Ehrgeiz?
Meine Familie ist ein sehr wichtiger Faktor für mich. Sie unterstützen mich in den guten und den schlechten Phasen meines Lebens und stehen immer voll hinter mir. Das ist ein Rückhalt, auf den ich jeder Zeit bauen kann.

4. Haben Sie eine Lieblingstrainingsstrecke?
Ja, die liegt bei mir vor der Haustür, im schönen Allgäu. Meine Hausrunde ist etwa 120 km lang,  hat eine geniale Aussicht auf das Bergpanorama, wenig Autoverkehr  und eine friedvolle Landschaft. Beruhigend einerseits, zum anderen technisch anspruchsvoll.

5. Wie sauber ist Radsport heute, vor allem auch Frauenradsport?
Im Frauenradsport hat es bisher sehr wenige Doping-Fälle gegeben. Das mal vorweg. Ich sage aber auch, der Radsport hat sich seine Probleme in großen Teilen leider selbst verschafft. Es wird Jahre dauern, bis sich das Bild in der Öffentlichkeit – mit dem Einzug einer neuen Kultur – ändern wird. Damit muss ich leben, und ich möchte meinen Teil dazu beitragen. Was den Frauenradsport im Speziellen angeht, kommt dazu: als Frau hat man ja den Wunsch gesunde Kinder zu bekommen und diese großzuziehen. Das ist aber nur möglich, wenn man den Körper vorher nicht mit Medikamenten vollgepumpt hat. Ich persönlich stehe aus meinem tiefsten Inneren heraus für sauber betriebenen Sport, bin gegen Betrug in jedweder Form. Und nochmals: ich freue mich auf später, auf eine hoffentlich gesunde Familie. Das kann ich mit keinem Erfolg, keinem Geld dieser Welt aufwiegen.

6. Glauben Sie, dass der Radsport mittlerweile sein tiefstes Tal durchschritten hat?
Wir sind zur Zeit auf einem guten Weg, der Radsport und auch Sport generell muss seine Hausaufgaben leisten. Radfahren ist von Millionen Deutschen geliebt. Um diesen Sport, mit dem sich eigentlich so viele identifizieren müssten, wieder aufleben zu lassen brauchen wir noch immer viel Vertrauensvorschuss. Von den Medien, von den Menschen. Bei allen berechtigten Zweifeln, ich hoffe, dass wir uns über künftige Erfolge freuen können, ohne ständige Hintergedanken.

7. Sehen Sie sich  eigentlich als Kämpfertyp, oder brauchen Sie auch ab und zu jemanden, der Sie anspornt?
Sagen wir mal so. Ich brauche eine gute Begleitung beim Training, da mir gewisse Strukturen und Vorgaben gut tun. Aber sonst bin ich schon eher der Kämpfer und meist auch mental sehr stark. Daraus schöpfe ich sehr viel Kraft für die Wettkämpfe.

8. Gibt es Vorbilder in Ihrem Leben?
Das kommt ganz darauf an, wie man das Wort Vorbilder definiert. Von außen gab es eigentlich nie eine Person, an der ich mich orientiert habe. Ich war nie der Fan einer Person oder eines Teams. Den Weg zu vielen Dingen, vor allem im Radsport, haben mir meine Eltern geebnet, weshalb ich diese auch durchaus als Vorbilder benennen würde.

9. Wo machen Sie am liebsten Urlaub?
Definitiv zu Hause! Ich komme durch den Sport so viel herum in der Welt und sehe viele schöne Dinge, dass es am Ende am entspanntesten ist, einfach mal abschalten zu können von all den Eindrücken. Getreu dem Motto: „Zu Hause ist es immer noch am schönsten“.

10. Wie sieht Deine sportliche Zukunft aus?
Die Wettkämpfe bei den Olympischen Spielen 2016 sind nun Geschichte. Und zunächst einmal muss ich sagen, dass ich mir sicher etwas mehr davon versprochen habe. Gründe kann man immer in viele Richtungen diskutieren. Was bleibt, ist die Erinnerung und die Erkenntnis, dass man nach vorne schauen muss. Sicher sind die Weltmeisterschaften immer ein großer Höhepunkt im Laufe einer Saison. Und auch hier kann es nur um Top-Platzierungen gehen. Losgelöst von einzelnen herausragenden Wettbewerben muss man eine Saison auch im Ganzen sehen. Und da schaue ich grundsätzlich nach vorne, immer auf das nächste Rennen, das ansteht. Ich liebe meinen Sport und möchte weiter erfolgreich fahren.